|
Der eine Ring:
Ein Ring hat bekanntlich keine Enden.
Der Nürburgring hoffentlich auch nicht.
Ungezählt, die Geschichten und Anekdoten,
die schon erzählt wurden - unermüdlich die,
die immer wieder neue hinzufügen.
Die Nordschleife:
20832 - die magische Zahl,
für mich die schönste Aneinanderreihung von Ziffern,
das legendärste Asphaltband der Welt.
Höchstgeschwindigkeit und ganz enge Winkel,
Berg- und Talbahn.
Freude, Tränen, Schweiß und Trauer.
Freude über Siege,
Freude über das Wiedersehen,
Freude am Sport
und über das Gefühl der Freiheit.
Tränen der Freude,
Tränen des Schmerzes,
Tränen der Trauer,
Tränen des Zorns.
Schweiß, der vergossen wird
beim hektischen Aufbauen von Zelten,
dem Einrichten der Boxen,
den geplanten Stopps,
erst recht den unplanmäßigen,
nach den Rennen das Ganze wieder rückwärts,
vielleicht auch noch mal beim Feiern,
wenn einem das Schicksal gnädig gestimmt war.
Trauer,
ein Gefühl, das wir nur ungern empfinden.
Aber ist latent immer vorhanden,
letztlich scheiden immer einige aus,
denen man aus Sympathie die Daumen hält.
Und in besonders tragischen Fällen,
was zum Glück in der heutigen Zeit nur noch selten geschieht,
scheidet jemand aus dem Leben.
Waren es im letzten Jahr Paul Hulverschied, oder
Dieter 'Paule' Dick,
weniger spektakulär, aber in der Nacht vor dem Saisonfinale,
so traf es bekanntlich dieses Jahr
'Leo' Löwenstein.
Wir trauern.
Die vielen, die es im Laufe der Jahre erwischt hat,
sei es auf der Strecke oder daneben - Fahrer oder Posten,
alle Menschen, die ihr Leben am oder wegen des Rings gelassen haben.
Ihr seid unvergessen.
Nun,
vielleicht kann mir jemand nachempfinden,
ich setze mich zu Hause ins Auto,
fahre gemütlich über Landstrassen und Autobahnen,
steige am Ring aus und denke ja, endlich wieder hier -
mitunter war ich nur wenige Stunden weg.
Kein anderer Ort dieser Erde hat mich je mehr fasziniert.
Keine Rennstrecke, ob Spa, Hockenheim, Snetterton,
Donington oder Silverstone,
"the home of British Motorsports"
hat mir je dieses Gefühl der Freiheit geben können,
daß ich empfinde.
Auch wenn ich nicht am Steuer eines Rennwagens sitze.
Nur gelegentlich mal eine Runde als Copilot mitnehmen kann,
oder als Posten im Schwalbenschwanz stehe.
Oder sonstwo an der Schleife,
oder den Tribünen des GP-Kurses.
Alleine an der Eifelluft liegt es nicht,
das habe ich schon getestet.
Es ist immer mehr wie ein "nach Hause" kommen.
Im Laufe der Zeit habe ich viele Menschen hier kennengelernt,
Freunde gefunden und Bekanntschaften gepflegt.
Einige enger, andere weniger, aber niemand zeigt mit dem Finger auf einen,
weil er (meist ja umständehalber)
mit ölverschmierter Hose durchs Fahrerlager stiefelt.
Man begegnet sich mit Achtung
vor der Person,
vor der Leistung, die das Team erbringt,
der Mechaniker, der Felgenputzer, der Tanker, der Fahrer und der Teamchef.
Die Fotografen tauschen sich aus - klar -
die Nikoner lästern über Canonen und andersrum.
Der eine Fahrer hat schon so manchen Vogel abgeschossen,
oder andere Fahrer...darüber grinst man sich eins,
wenn man selbst nicht be(ge-)troffen ist.
Danke möchte ich sagen,
all denen, die dazu beitragen,
daß ich mich am Ring so wohlfühlen kann.
Denn hier bin ich in erster Linie Mensch -
kein Arbeitspferd,
keine Telefonseelsorge,
sondern habe meine Aufgabe als Sportwart,
kann hier und da im Fahrerlager ein paar Neuigkeiten aufschnappen,
habe mich schon öfter über Einladungen zum Essen freuen dürfen,
sogar eine Nacht mal in der Box neben einem Rennwagen geschlafen
(war für mich eines der schönsten Geschenke war,
die ich je im Leben erhalten habe).
M. Stein
|